Zubereitung

 

 

Bei der Zubereitung von grünem Tee – und Tee allgemein – gibt es einige Parameter zu beachten. Ganz wichtig: Tee lädt dazu ein, mit ihm zu experimentieren. Alles Folgende sind nur Vorschläge, die sich unserer Erfahrung nach bewährt haben. Das bedeutet nicht, dass man aus dem Teetrinken eine Wissenschaft machen muss. Wenn man einige Faustregeln beachtet, die wir ganz unten auf dieser Seite noch einmal zusammenfassen, kann eigentlich nicht viel schiefgehen.

 

 

Teetrinken im asiatischen Raum unterscheidet sich deutlich vom „westlichen“ Teetrinken. Es geht nicht unbedingt darum, viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen, sondern den Tee intensiv zu schmecken. Deswegen ist es sowohl in der chinesischen Tradition des Teetrinkens („Gong Fu Cha“) als auch in der japanischen so, dass eine größere Menge Teeblätter mit wenig Wasser zubereitet wird, dafür in mehreren Aufgüssen.

 

 

Das richtige Wasser

 

 

Über das richtige Wasser kann man unter Teefreunden stundenlang diskutieren. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass ein gefiltertes Leitungswasser bei den meisten Tees akzeptable Ergebnisse liefert. Ungefiltertes Leitungswasser ist in vielen Regionen Deutschlands sehr kalkig, enthält also viel Calcium und andere Mineralien. Diese sorgen dafür, dass der Tee stumpf schmeckt und seinen Geschmack nicht optimal entfalten kann.

Wenn Du noch mehr aus Deinen Tees herausholen möchtest, kannst Du Flaschenwasser zur Zubereitung benutzen. Für Jadetau, unseren Gyokuro, und Windspiel, unseren Shincha Sencha, eignet sich besonders weiches, also mineralarmes Wasser. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit Black Forest und Bergische Waldquelle gemacht.

Für Waldgrün, unseren Karigane, und Morgenrot, unseren Hojicha, eignet sich ein etwas stärker mineralisiertes, aber immer noch recht weiches Wasser. Hier ist Volvic ein guter Allrounder, der für die meisten Senchas und ähnliche japanische Tees funktioniert.

 

 

Verhältnis Tee zu Wasser

 

 

Wie bereits angesprochen, unterscheidet sich hier die japanische Herangehensweise sehr von der deutschen. In unseren Dosierungs-Empfehlungen wählen wir meist eine leicht abgeschwächte Variante der traditionellen, japanischen Dosierung. Zu Beginn lohnt es sich, den Dosierungsempfehlungen, die wir bei den Produkten angeben – übrigens auch auf der jeweiligen Verpackung nachzulesen – zu folgen. Je nach Geschmack kannst Du natürlich davon abweichen.

Wir können aus eigener Erfahrung sagen: Der geschmackliche Mehrwert, den man erhält, wenn man die Wassermenge reduziert, ist enorm. Dies gilt für all unsere Tees, besonders ist dies aber beim Gyokuro der Fall. Wir empfehlen für unseren Jadetau zum Einstieg pro Person drei Gramm auf 60 Milliliter Wasser. Hier lohnt es sich, auch einmal vier oder fünf Gramm auf der gleichen Menge Wasser auszuprobieren.

Nun stellt sich noch die Frage. Wie messe ich drei Gramm Tee? Der zuverlässigste Weg ist eine kleine Feinwaage. Natürlich funktioniert auch die etwas grobere Messung mit einem Löffel. Bei Jadetau und Windspiel entsprechen drei Gramm etwa einem gehäuften Teelöffel. Waldgrün und besonders Morgenrot sind etwas voluminöser, hier sind es eher anderthalb (Waldgrün) bis zwei (Morgenrot) Teelöffel. Wenn Du eine japanische Kyusu benutzt, ist ein guter Richtwert, den Boden der Kanne vollständig mit Tee zu bedecken.

 

 

Temperatur

 

 

Der nächste Parameter ist die Temperatur. Diese ist entscheidend dafür, welche Inhaltsstoffe aus dem Tee gelöst werden und bestimmt so maßgeblich den Geschmack. Ein geläufiges Vorurteil gegen grünen Tee ist, dass dieser immer bitter sei. Dies kann an mangelnder Qualität des Tees liegen, resultiert aber häufig auch aus einer zu hohen Temperatur und zu langer Ziehzeit. Als Faustregel kannst Du Dir merken: Grüne Tees nie mit mehr als 80°C heißem Wasser aufgießen. Außerdem gilt: Je edler der Tee, desto kühler das Wasser.

Für unseren Jadetau empfehlen wir zum Beispiel für den ersten Aufguss eine Temperatur von 45-50°C. Mit jedem weiteren Aufguss steigt die Temperatur dann um fünf bis zehn Grad. Ausnahmen sind hierbei geröstete grüne Tees wie unser Morgenrot sowie die späteren Aufgüsse von Stängeltees wie unserem Waldgrün.

Welche Messmethode kannst Du nun anwenden? Am besten ist ein einfaches Thermometer, das für heiße Flüssigkeiten geeignet ist. Diese bekommst Du für fünf bis zehn Euro. Außerdem gibt es Wasserkocher, an denen Du die Temperatur exakt einstellen kannst.

Alternativ musst Du die Temperatur schätzen. Hier einige Tipps und Anhaltspunkte dazu: Gerade aufgekochtes Wasser, dass Du in eine dünnwandige Tasse umfüllst, hat nach ca. fünf Minuten eine Temperatur zwischen 70 und 80°C, ist also für die meisten Tees akzeptabel. Diese Methode hat auch den Vorteil, dass die Tassen direkt vorgewärmt sind. Für Gyokuro hat das Wasser die richtige Temperatur, wenn Du Deinen Finger in das Wasser halten kannst, ohne dich zu verbrennen – Diese Methode hat natürlich eine gewisse Lernkurve…

Mit Schätzmethoden kannst Du allerdings nur schwer die kleinen Temperatursteigerungen zwischen den Aufgüssen einstellen. Ein Thermometer ist aus unserer Sicht daher die sinnvollste Investition am Anfang Deines Tee-Weges. Dann kannst Du auch selbst besser mit unterschiedlichen Temperaturen experimentieren.

 

 

Ziehzeit

 

 

Die Ziehzeit hat entscheidenden Einfluss auf das Gelingen deines Tees. Als Faustregel kann hier gelten: Nie länger als zwei Minuten. Der erste Aufguss ist normalerweise der längste, da die noch trockenen Teeblätter Zeit brauchen, um sich zu entfalten. Der zweite Aufguss ist recht kurz, da die Teeblätter schon geöffnet sind. Die weiteren Aufgüsse steigern sich dann wieder in der Ziehzeit, um noch möglichst viel an Geschmack herauszuholen. Als Verlauf bei unserem Jadetau schlagen wir zum Beispiel für den ersten Aufguss 70 Sekunden vor, für den zweiten 20, für den dritten 25, für den vierten 35. Auch hier kann man natürlich variieren und ausprobieren. Wenn man beispielsweise einen sehr intensiven ersten Aufguss möchte und auf die weiteren nicht so viel Wert legt, bietet sich eine initiale Ziehzeit von zwei Minuten an.

 

 

Mehrere Aufgüsse

 

 

Wie aus den bisherigen Tipps zur Zubereitung bereits hervorgeht, empfehlen wir, jeden Tee über mehrere Aufgüsse hinweg zu genießen. Jeder Aufguss entwickelt seine eigenen Nuancen, die zum Gesamtbild eines Tees beitragen. Zudem führt diese Methode dazu, dass man sich mehr Zeit nimmt und seine Aufmerksamkeit voll und ganz dem Tee widmet. Außerdem wäre es schlicht Verschwendung, die hochwertigen Teeblätter nach einem Aufguss zu entsorgen.

Wenn Du den Tee in einer Kanne zubereitest, solltest Du darauf achten, dass das Wasser nach jedem Aufguss restlos aus der Kanne herausgegossen wird. Außerdem solltest Du zwischen den Aufgüssen den Deckel von der Kanne nehmen, damit der Wasserdampf den Tee nicht weiter ziehen lässt.

Geschmacklich ist es am besten, die Aufgüsse relativ kurz nacheinander zu trinken. Es spricht aber auch nichts dagegen, die Teeblätter zwischendurch für einige Stunden stehen zu lassen und danach weiter aufzugießen. Sobald die Teeblätter abgekühlt sind, sollte allerdings der Deckel wieder auf die Kanne, um Oxidation zu vermeiden.

 

 

Gefäß

 

 

Um Tee zuzubereiten, gibt es viele mögliche Gefäße. Das wichtigste ist, dass der Tee genügend Platz hat, sich zu entfalten, weshalb ein Tee-Ei eher ungeeignet ist. Außerdem sind viele japanische Tees recht kleinteilig, weshalb sich ein feines Sieb empfiehlt. Ideal sind japanische Tonkannen, sogenannte Kyusus, von denen wir auch ein schönes Exemplar in unserem Shop anbieten. Diese vermitteln das entsprechende japanische Flair und haben ein ideales Ausgießverhalten, außerdem kann sich der Ton positiv auf die Geschmackseigenschaften des Tees auswirken. Es funktionieren aber auch Gaiwane, „normale“ Teekannen, große Teesiebe und ähnliches. Auch hier gilt es, auszuprobieren und die für Dich geeignete Methode zu finden.

 

Richtig ausgießen

 

Wenn Du eine Kyusu oder eine andere Teekanne benutzt, ist zu guter Letzt das richtige Ausgießen wichtig. Entscheidend ist, den Tee langsam auszugießen, um den optimalen Geschmack zu erhalten. Wenn Du mit mehreren Leuten trinkst, solltest Du darauf achten, dass der Inhalt jeder Tasse gleichwertig ist. Wenn Du z.B. erst Deinem Gast und dann dir eingießt, hast Du den deutlich intensiveren Tee, da er länger und mit weniger Flüssigkeit gezogen hat. Deswegen schenkt man entweder abwechselnd in kleinen Portionen ein, oder füllt direkt den ganzen Tee in einen sogenannten „fairness-cup“, also in ein Gefäß, aus dem der Tee dann im Anschluss verteilt wird. Wie bereits erwähnt, solltest Du nach dem Ausgießen den Deckel von der Kanne nehmen. 

 

Faustregeln

 

Hier noch einmal die Faustregeln, die es zu beachten gilt, um möglichst einfach guten Tee zu erhalten:

 

- Gefiltertes Leitungswasser oder mineralarmes Flaschenwasser

- Temperatur unter 80°C: Wasser nach dem Kochen umfüllen und einige Minuten warten

- Ziehzeit unter zwei Minuten, spätere Aufgüsse kürzer

- Tee braucht Platz: Kanne oder großes Sieb